Samstag, 24. Februar 2007

Kriege und politische Attentate


Ein Brief aus einem alten Buch; siehe Zitatangabe ganz unten. Im großen, weiten Netz war der Brief nirgendwo zu finden war, so daß man meinen könnte, er wäre nicht wichtig. Oh, hätten doch Kaiser Franz Josef I. und George W. Bush einen Tolstoi gehabt! Weil sie aber keinen mehr hatten, hier der vollständige Brief mit ein paar einleitenden Worten, aus dem Buch:




...

Tolstoi hatte sich inzwischen auch von dem berüchtigten Nihilismus losgesagt und prägte das Wort: "Nicht in der Macht, sondern in der Wahrheit ist Gott". Da hieß es, zunächst jenen die Wahrheit nahebringen, die in der Macht ihr Glück suchen und den Nihilismus im Herzen des gemarterten Volkes nur noch verstärkten. Dazu war es nötig, daß Lew Nikolajewitsch sich an Alexander III. wendete, dessen Vater das Opfer der Nihilisten geworden war:
"Kaiserliche Hoheit!

Ich unwürdiger, unberufener, schwacher und schlechter Mann schreibe an den Kaiser von Rußland und erteile ihm Rat, was er unter den verwickeltsten und schwierigsten Verhältnissen, die je existiert haben, tun soll! Ich fühle, wie sonderbar, unpassend und vermessen das ist, und dennoch schreibe ich! Ich denke mir, Du schreibst den Brief, man wird ihn als überflüssig betrachten, überhaupt nicht lesen, oder an wird ihn lesen, für schädlich halten und mich dafür bestrafen. Mehr kann nicht dadurch kommen, und es wird nichts Schlechtes dabei sein, nichts was du zu bereuen hast. Unterläßt du aber, den Brief zu schreiben, und erfährst dann, daß niemand dem Zaren etwas gesagt hat, oder erfährst Du daß der Zar zur Besinnung gekommen ist und sich sagt: hätte mir das doch früher jemand mitgeteilst - wenn dieser Fall eintreten sollte, so würde ich es ewig bereuen, meine Meinung nicht ausgedrückt zu haben. Und darum schreibe ich Ew. Majestät, was ich denke.

Ich schreibe aus ländlicher Einöde ... Meine Kenntnisse verdanke ich Zeitungen und umlaufenden Gerüchten; sollte ich also von Dingen, die gar nicht existieren, schreiben, so verzeihen Sie um Gottes willen meinem Dünkel und schenken Sie meinen Worten Glauben, daß ich nicht aus hoher Meinung von mir selbst schreibe, sondern im Bewußtsein meiner tiefen Schuld und aus Furcht, diese noch zu vermehren, wenn ich nicht tue, was ich tun kann und tun muß.

Ich werde nicht in dem Tone schreiben, in dem man gewöhnlich an den Kaiser schreibt: voller Phrasen knechtischer Ergebenheit und voller Redensarten, die die Gefühle und Gedanken nur verwirren. Ich werde einfach schreiben, wie ein Mensch an den anderen; die wahren Gefühle meiner Hochachtung vor Ihnen, als Menschen und als Zaren, werden ohne diese Phrasen nur noch deutlicher.

Ihren Vater, den russischen Zaren, der so viel Gutes getan und den Menschen stets nur Gutes gewünscht hat, diesen edlen Mann haben nicht persönliche Feinde der bestehenden Ordnung grausam verstümmelt (*); man hat ihn im Namen eines zweifelhaften Wohls der ganzen Menschheit ermordet.

Sie haben seinen Thron bestiegen, und nun stehen vor Ihnen dieselben Feinde, die das Leben Ihres Vaters vergiftet und vernichtet haben. Es sind Ihre Feinde, weil Sie die Stelle Ihres Vaters einnehmen, und zur Verwirklichung des von ihnen erstrebten, vermeintlichen Gemeinschaftswohls müssen sie den Wunsch hegen, auch Sie zu töten. Ihre Seele muß gegen diese Mensche, die Mörder Ihres Vaters einerseits von einem Gefühle der Rache, andererseits von dem des Abscheues gegen die Pflichten erfüllt sein, die Sie auf sich nehmen mußten. Man kann sich kaum eine entsetzlichere Lage vorstellen, weil keine stärkere Versuchung durch den Bösen denkbar ist.

"Diese Feinde des Vaterlandes, des Volkes, die ruchlosen Buben, gottlosen Geschöpfe, die die Ruhe und das Leben der Mir anvertrauten Millionen vernichten und die Mörder meines Vaters sind, - was kann man mit ihnen anders anfangen, als das Land von ihnen befreien, - sie wie ekles Gewürm zertreten? Das fordert nicht nur mein persönliches Gefühl, nicht der Wunsch, den Tod des Vaters zu rächen, das verlangt meine Pflicht, das erwartet das ganze russische Reich von Mir."

Diese Versuchung macht Ihre Lage zu einer entsetzlichen. Wer wir auch immer sein mögen, Zar oder Hirt, wir sind Menschen, erleuchtet von der Lehre Christi!

Hoher Herr und Kaiser! Aus Gott weiß welchen verheißungsvollen und entseztlichen Mißverständnisse waren die Revolutionäre von furchtbarem Haß gegen Ihren Vater erfüllt, einem Haß, der sie zu diesem grausamen Morde verleitet hat. Dieser Haß kann nur mit ihm vergessen werden. Die Revolutionäre konnten Ihren Vater - wenn auch ungerecht - der Vernichtung einiger Dutzend ihrer Parteigenossen anklagen. An Ihren Händen klebt noch kein Blut: - Sie sind ein schuldloses Opfer Ihrer Stellung. Denn Sie sind rein und unschuldig vor sich selbst und vor Gott, und Sie stehen am Scheidewege. Noch ein paar Tage - und wenn die Menschen obsiegen, die das sagen und denken, die christlichen Lehrenwären nur gut zum Predigen, im Leben des Staates dagegen müsse Blut vergossen werden und der Tod herrschen - so werden Sie auf ewig die herrliche Reinheit und das gottgefällige Leben beflecken und den finsteren Weg des Staatswohls beschreiten, das alles, selbst die Verletzung des göttlichen Gesetzes, gutheißt.

Begnadigen Sie die Verbrecher nicht, töten Sie sie, so werden Sie einsehen, es lassen sich wohl drei, sogar vier von Hunderten herausreißen; das Böse aber gebiert immer wieder Böses, und an der Stelle der drei oder vier werden dreißig oder vierzig neue treten. Dann haben Sie den unschätzbaren Augenblick für immer versäumt, in dem Sie den Willen Gottes erfüllen konnten, aber nicht erfüllt haben. Sie haben dann auch für immer den Scheideweg verlassen, da Sie etwas Gutes hätten tun können statt des Bösen, das man Staatswohl nennt (Matth. 5, 25)
(**).

Üben Sie Gnade und Barmherzigkeit! Vergelten Sie Böses mit Gutem! Von hundert Bösewichtern werden Dutzende vom Teufel zu Gott übergehen! Tausenden aber, ja Millionen wird das Herz vor Freude und Rührung schlagen angesichts solcher Güte, die Sie dem Volke von der Höhe Ihres Thrones erweisen, den Sie in einem so furchtbaren Augenblicke als Sohn des ermordeten Vaters bestiegen haben.

Hoher Herr und Kaiser! Berufen Sie diese Leute zu sich, schenken sie Ihnen die Mittel, senden Sie sie irgendwohin, nach Amerika, erlassen Sie um ihretwillen ein Manifest mit den ersten Worten: "Und ich sage euch: liebet eure Feinde", und ich selbst will - ich es mit den andern wird weiß ich noch nicht - aer ich will gern Ihr geringster Untertan, Ihr Sklave sein; ich würde vor Rührung weinen, wie ich jetzt stets weine, wenn ich Ihren Namen höre. Was sage ich: Wie es mit den andern wird,
weiß ich nicht? - Ich weiß welch gewaltiger Strom des Guten und der Liebe sich nach diesen Worten über ganz Rußland ergießen würde!

Die Lehre Christi, und nur sie ist im Herzen der Menschen lebendig, und wir lieben die Menschen nur im Namen dieser Lehre! Sprechen Sie von der Höhe Ihres Thrones nur ein Wort der Vergebung und christlichen Liebe, und handeln Sie also! Dann wird die chistliche Regierung, die Sie antreten, alles Böse vernichten, das am Lebensmarke Rußlands zehrt. Und jeder revolutionäre Kampf wird vor dem Zaren und Menschen, der das Gebot Christi erfüllt, wie Wachs am Feuer
zerschmelzen.

Lew Tolstoi."
(*) Alexander II. wurde am 13. März a. St. 1881 ermordet
(**) Der Vers lautet; "Sei willfährig deinem Widersacher bald, dieweil du noch bei ihm auf dem Weg bist, auf daß dich der Widersacher nicht dermaleinst überantworte dem Richter, und der Richter überantworte dich dem Diener, und du werdest in den Kerker geworfen."

Seine Majestät Alexander III. konnte auf die Stimme des Gottsuchers Tolstoi nicht hören: Ein Minister dwar zu jeder Zeit und überall stärker und machtvoller als hunderttausend wahrheitsuchende Propheten. Wenn ein russischer Minister zu seinem Herren sprach: Majestät, nur wenn Ihr tut, was ich sage, ist Euer Leben geschützt - dann verwandelte sich plötzlich so ein mächtiger Zar aller Reußen in einen ängstlichen Schulbuben und gehorchte schweigend - nach einer Überzeugung wird ja ein Herrscher nie gefragt; und die Überzeugung eines Zaren war zudem seit Peter dem Großen nie eine volksfreundliche.

Was sollte nun Tolstoi tun? Er verbreitete seine Ansichten durch Schriften, die zwar zum Teil unterdrückt wurden - aber gefürchtet war Lew Nikolajewitsch doch! Im gewissen Sinne war er sogar mehr gefürchtet als zehn Dutzend Zaren! - Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß der Zar im Laufe der Jahre ein Bewunderer Tolstois wurde. Er schützte den Greis vor der Rache des Heiligen Synod mit den Worten: "Dieser Mann ist ein Heiliger; ich wünsche nicht, daß aus ihm ein Märtyrer gemacht wird."

...

Abschrift aus:
"Tolstoi - Seine Weltanschauung",
Michael Grusemann,1923
Rösl & Cie/München/Leipzig
Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung in fremde Sprachen
vorbehalten.

Kommentare:

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